Hagener Hütte von Sportgastein

Sportgastein - Hagener Hütte

Die Tour wurde Mitte Juli 2014 durchgeführt.  Sicherungsgeschirr ist nicht notwendig. Die Tour ist etwas anstrengender als der Aufstieg von Mallnitz aus (siehe Tour Mallnitz - Hagener Hütte).

Anfahrt: Im Navi muss man nur Bad Gastein eingeben und folgt dort den Hinweisschildern Richtung Böckstein. Wer vor 30 - 40 Jahren nach Kärnten gefahren ist, ist meist aus Richtung Salzburg / Hallein die Bundesstraße 159 bis nach Bischofshofen gefahren, dann die 311 und 167 nach Böckstein zur Autoschleuse. Auch heute kann man diese Strecke noch fahren, erlebt die Gegend noch intensiver und spart die Autobahngebühr. Die Autoschleuse nach Mallnitz wird pro Auto abgerechnet und kostet 17,- EUR. Eine einzelne Person ohne Auto zahlt 3,- EUR. In Anbetracht der vielen Mautgebühren in Österreich, ist das ein recht günstiger Preis. Früher konnte man im Auto sitzen bleiben, heute muss man aus Sicherheitsgründen in einem Zugabteil Platz nehmen. Passiert ist zwar nie was, aber wenn, dann hat man wenigstens alle zusammen. Kurz vor der Schleuse, muss man nach rechts Richtung Sportgastein abfahren.  Die Gasteiner Alpenstraße wird hier zur Mautstraße. Da ich sehr früh vorbei fuhr, war das Kassenhäuschen noch nicht besetzt (kurz nach 7 Uhr). Ansonsten wird hier nicht nach PKW, sondern nach Person im Auto abgerechnet (5,50 EUR / Person). Hier darf ich doch mal Kritik äußern. Das die Straßen in Schuss gehalten werden müssen ist OK. Aber die Gebühren sind zu hoch. Zumal die Almen in Naßfeld Tal doch jeden Besucher gebrauchen können, die dann dort ihr Geld ausgeben sollten. Insgesamt drei kurze Tunnel, die nicht beleuchtet und nicht verschalt sind, müssen durchquert werden und schon ist man in Sportgastein / Naßfeld.

Ausgangspunkt: Parkplatz Sportgastein

Was man als erstes sieht, ist die Liftanlage hinauf zum Kreuzkogel. Das ist auch die letzte Anlage dieser Art, direkt dahinter fängt das Naturschutzgebiet an. Dort sind keine Skiliftanlagen mehr erlaubt. Nur ein weiteres Auto steht hier. Es ist halt noch früh. Der Tag soll sonnig und warm werden. Bisher war das Wetter in diesem Sommer ehr regnerisch.  Ein paar Schritte weiter, ist das Alpen Restaurant Valeriehaus. Etwas oberhalb ist ein größeres verfallendes Gebäude zu sehen. Hinter dem Valerie Haus sieht man in der Ferne das Niedersachsenhaus hoch oben auf der Riffelscharte thronen. Etwas links das Schareck, dass ich bereits von der anderen Seite her kenne (siehe Tour Hohe Tauern - Maltatal). Vor mir liegt das Tal (Naßfeld), dass ich komplett durchschreiten muss. Das sind knapp 3 Km, die aber nur minimale Steigung haben. Zum Warmlaufen also ideal. Doch schon jetzt ist die Aussicht grandios.

Sportgastein Parkplatz Skilift Valerie Haus Sportgastein

07:40 Uhr (0 KM; 1579 m NN) Sportgastein

Es geht los. Zunächst über eine breite Holzbrücke. Der dahinterliegende Weg ist ein breiter Fahrweg. Nur die Anrainer dürfen hier langfahren. Ein paar Minuten später geht man an ein umfriedetes Kreuz vorbei. Man sieht bereits die Hagener Hütte. Eigentlich sehr nah, aber auch sehr hoch. Nun folgen größere und kleine Almen. Zunächst die Schöneggeralm, dann die Schareckalm, die Moisealm, die Naßfeldalm, die Moaralm. die Hinternaßfeldalm, die Brandtneralm und zum Schluss die Veitbeueralm. Alle Almen bieten frische Milch, Butter, Krapfen und diverse Schlemmereien an. Jede Alm hat eine Terrasse, mit Bänken, Tischen und Sonnenschirmen. Auf meinen Rückweg waren auf jeder Alm Gäste zu sehen. Am gesamten Weg verläuft ein rauschender Bach parallel, der nun überquert wird. Das Tal Ende ist nun erreicht. Nun muss man den Kopf in den Nacken legen, um die Spitzen der Berge zu sehen. Man steht faktisch vor einer Wand. Steil stürzende Wasserfälle sind zu sehen, die den Bach hier füttern. Es sind noch einige Schneefelder vorhanden. Auch auf meinen Streckenabschnitt liegen noch einige. Doch wie sich herausstellt, ist der Weg bis kurz vor der Hütte Schneefrei.

Nassfeld Anfang Sportgastein Nassfeld  Hohe Tauern

Almen im Nassfeld Hohe Tauern Nassfeld Tal Ende Hohe Tauern

08:20 Uhr (3 KM; 1641 m NN) Nassfeld

Kurz nach Überschreiten des Baches, macht der Weg eine Kehre und führt auf eine kleine Hütte zu. Ich muss jetzt nochmals den Bach überqueren. Das kann aber nicht stimmen. Also kurz zurück. Tatsächlich führt ein kaum sichtbarer Weg direkt hinter der Brücke über eine Wiese den Berg hinauf. Der Weg wird primär durch Markierungsholzpflöcke gekennzeichnet. Die ersten drei sind aber nicht zu sehen, da sie umgefallen oder zugewachsen sind. Flugs aufgestellt und frei gestellt, geht es den Wiesenweg ein kleines Stück nach oben und erreicht ein Informationsschild. Hier beginnt der Nationalpark Hohe Tauern und ich befinde mich auf dem Kulturwanderweg Römerstraßen. Ich erfahre, dass ich bereits seit Sportgastein auf dem alten Römerweg gelaufen bin und dass der Weg nun über die Hagener Hütte nach Mallnitz führt. Man wird an einigen Stellen weitere Schilder mit entsprechenden Informationen vorfinden. Das ist aber leider nicht der Fall. Weitere Schilder habe ich nicht gesehen. Schade eigentlich. Die Römerstraße soll noch an einigen Stellen intakt sein, aber ich stehe hier, schaue mir den steil aufragenden Berg an und frage mich, wo da wohl ein Wanderweg sein soll. Geschweige denn ein Karrenweg. Aber früher mal es wohl anders ausgesehen haben, zumal die Gegend hier Eselskar heißt. Später habe ich auf der Internet Seite gelesen, dass es keine Infoschilder gibt, sondern nur ein schriftliches Material, dass man anfordern kann.

Erster Anstieg zur Hagener Hütte Informationsschild Römerweg Tauern

Bis hierhin war es ein Sparziergang. Von nun an geht es gut nach oben. Der Weg ist anhand der Markierungsstäbe sehr gut zu sehen. Der Weg ist steinig und oftmals verzweigt und ausgewaschen. Im unteren Bereich stehen nur zwei kleine Bäume. Ansonsten ist man der Sonne ausgesetzt. In vielen kleinen Kehren geht es nach oben. Schnell ist man am Schwitzen. Es gibt leider kein Stück des Weges, wo es mal ein wenig waagerecht ist, dass man mal die Beine entspannen kann. Kleine Schneefelder reichen bis zum Weg. Das Schmelzwasser hat an einigen (wenigen) Stellen den Weg etwas durchgeweicht. Die Aussichten sind weiterhin spektakulär. Rechter Hand steile Wände, Schneefelder, hinter mir eine optimale Sicht über das Naßfeld bis hin nach Sportgastein.

Steinige Kehren zur Hagener Hütte Blick zurück aufs Naßfeld

Wege Verzweigung Tauern Schneereste am Wegesrand Hagener Hütte

Mein linker Oberschenkel meldet sich. Plötzlich krampft der Schenkel und zwar heftig. Das hatte ich auch noch nicht. Bei einem Wadenkrampf, weiß man ja was man machen kann. Aber keine Stellung brachte Entlastung. Also durchhalten, bis er alleine weg ging. Isotonische und Zuckerhaltige Getränke hatte ich ausreichend im Rucksack. Kondition war auch genug vorhanden. Von nun an kamen die Krämpfe regelmäßig. Da traf es sich gut, dass ich nun fast das steilste Stück hinter mir hatte und eine kleine Hütte auftauchte, die aber Ihre besten Zeiten auch bereits hinter sich hatte.

10:35 Uhr (5 Km, 2100m NN) Kleine Schutzhütte

Ziemlich zugig und sehr windschief, aber immerhin Schutz vor der Sonne und ich konnte mich auf ein Bankstück setzen und mein Bein entlasten. Direkt aus den Türrahmen hat man noch einmal das berauschende Panorama des Naßfeld Tals und der umliegenden Berge. Zwei geführte Wandergruppen, die ich auf halber Strecke noch weit hinter mir hatte, sind nun ebenfalls angekommen. Der Wanderführer schaut kurz in die Hütte und stockt kurz, als er mich sieht. >>Da sitzt ja einer<< Ich antwortete >>Ich kassiere die Maut<<. Man sah es seinem Gesicht an, das er erst erstaunt war und dann in Gelächter überging.  Für eine Sekunde hatte er wohl überlegt, ob es wahr sein könnte. Nach Straßenmaut, könnte eine Wandermaut durchaus realistisch sein. Sie zogen von dannen. Für den gesamten Weg veranschlagt man 3h. 2,5h habe ich bis zur Hütte gebraucht. Also voll im Zeitplan. Mein Bein scheint sich ein wenig beruhigt zu haben. Also weiter. Ein Schild weist darauf hin, dass es noch 30 Minuten bis zur Hagener Hütte sind. Diese ist auch bereits gut zu sehen.

Schutzhütte vor Hagener Hütte mit Blick aufs Naßfeld Die kleine Schutzhütte auf dem Weg zur Hagener Hütte

Der Weg zieht noch einmal kurz an, wird dann aber etwas flacher. Mein Oberschenkel quält mich jedoch wieder mit Krämpfen. Ich überlege, ob ich zurückgehen soll. Aber der Weg zur Hütte ist kürzer. Zur Not kann ich als Sektionsmitglied dort ja übernachten. Man läuft nun in einer Kehre der Bergflanke entlang. Über mir höre ich plötzlich etwas. Ein Steinbock jagt mit enormer Geschwindigkeit den Berg entlang. Ich schätze dass es für dieses Tier knapp 15 Minuten dauern würde, vom Tal zur Hütte zu sprinten. Aber schön anzusehen ist es allemal. Die Schneefelder ragen bis an den Weg heran. Der Weg ist aber frei. Die Krämpfe quälen mich doch ziemlich arg. 10 m laufen, Krampf. So geht das nun bis zur Hütte. An einem Felsvorsprung raste ich noch mal. Hinter mir kommt eine Frau mit schnellen Schritten den Weg hinauf. Kennen Sie das auch? Faktisch auf jedem Weg, begegne ich einem älteren Ehepaar, das locker flockig, ohne große Mühen an mir vorbei läuft. Da ist man stolz auf das Geschaffte und dann so etwas. Als wenn sie gerade losgegangen wären und alles keine Anstrengung wäre. Genau so etwas passiert mir auch jetzt wieder. Eine ältere Damen (ich schätze um die 70), im Sommerkleid, mit Sommerhut, einer roten Handtasche und immerhin Wanderstiefel, hüpft geradezu an mir vorbei. Wahrscheinlich geht sie nur kurz Brötchen in Mallnitz holen. In meiner Situation nicht gerade aufpäppelnd.

Nicht so steiler Weg zur Hagener Hütte 30 Minuten bis zur Hagener Hütte

Schneefelder in den Tauern Hagener Hütte Freier Weg durch das Schneefeld Hagener Hütte

12:20 Uhr (6,6 km, 2400m NN) Kurz vor Hagener Hütte

Weiter. Ich quäl mich, aber die Hütte ist nah. Noch ein Stück. Kurz vor der Hütte muss ich nun doch ein Schneefeld überqueren. Nicht sehr groß und die Fußstampfen im Schnee sind bereits sehr ausgeprägt. Aber mit meinen  Bein doch eine Herausforderung. Geschafft. Ein kleiner Hügel noch und endlich ist der Weg waagerecht. Sofort kann ich wieder normal laufen. Interessanteweise kann ich ganz normal waagerecht und nach unten gehen. Sobald ich aber aufwärts gehe, krampft es.

Noch 10 Minuten bis zur Hagener Hütte Der letzte kleine Aufstieg zur Hagener Hütte

13:00 Uhr (6,8 Km, 2441m NN) Hagener Hütte

Wie man an den Zeiten sehen kann, wurde aus den letzten 30 Minuten knapp 2h (die letzten 200m habe ich mich wie ein Zombie gehend, mit vielen kleinen Pausen hinaufgeschleift). Aber ich bin da. Die Hagener Hütte. Zum zweiten Mal bin ich hier. Der Hüttenwirt grüßt freundlich und schenkt mir sofort eine Cola und ein Wasser ein. Ich muss doch ziemlich fertig ausgesehen haben. Ich bestelle noch das Hüttengulasch und bin etwas überrascht. Das ist eindeutig eine Dosensuppe, die in der Mikrowelle warm gemacht wurde. Ich quatsche ein wenig mit dem Wirt, als die beiden Wandergruppen sich wieder auf den Abstieg machen. Am liebsten würde er die Hütte wieder schließen. Denn bisher sind kaum Wanderer und Bergsteiger auf der Hütte gewesen. Nur die geführten Wanderungen von Mallnitz und Gastein würden den Betrieb aufrechterhalten. Das klärt auch die Dosensuppe. 

Die Hagner Hütte Der neuen Innenraum der Hagener Hütte

Blick auf den Winterraum der Hagener Hütte Gesamtblick auf den Weg von Sportgastein

Nach einer halben Stunde ging es mir wieder gut. Eigentlich wollte ich hier noch ein wenig umherwandern. Aber ich will nichts riskieren und steige wieder ab. Der krampfende Muskel meldet sich nicht. Scheinbar wird dieser nur bergauf benötigt. Gut. Ich bin eingecremt, doch die Sonne donnert nun erbarmungslos. Kaum noch Wolken am Himmel. Keine Bäume die Schatten spenden, die Schneefelder reflektieren auch noch gehörig. Ich weiß nach der Hälfte des Abstieges, das wird nicht ohne Sonnenbrand abgehen (am nächsten Morgen hatte ich kleine gelbe Pusteln auf der Stirn). Ich schwitze stark. Meine Getränke gehen zur Neige. Als ich das Tal erreiche, merke ich auch, dass der Abstieg ordentlich auf die Waden gegangen ist. Die drei Kilometer zurück zum Auto haben wohl wieder ehr an einen Zombie erinnert. Als ich am Auto war und ein kühlendes Getränk genoss, habe ich meine Pläne, noch zum Faakersee zu fahren, über den Haufen geworfen. Bad Gastein hat ja schließlich Bäder. In der Felsentherme, die ganz OK ist, aber zu teuer (21,- EUR für 3h), hab ich mich erstmal mal durchwalken und treiben lassen. Bad Gastein sollte übrigens mal durchlaufen werden. Erstaunliches Städtchen.

Fazit: Der Weg von Mallnitz aus ist optisch genauso toll, der Weg ist aber etwas besser zu gehen. Mal abgesehen von meinem krampfenden Bein ist der Weg über Sportgastein ein bisschen schwieriger, aber genauso genial.

 

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